Dortmund: Soli-Kundgebung und Demo für Aufstand in der Türkei

Am 04.06. gab es in Dortmund an den Katharinentreppen, direkt gegenüber des Hauptbahnhofs, eine unangemeldete anarchistische Kundgebung mit anschließender ebenfalls unangemeldeter Spontandemo über den Westenhellweg, durch die Innenstadt bis zur Reinoldikirche.

Die für 19 Uhr angekündigte Kundgebung startete pünktlich mit circa 70-80 Teilnehmer*innen. Dabei wurden drei kämpferische Redebeiträge vorgelesen: Der erste war der Flyertext zur Kundgebung, welcher auch im Verlauf der Demonstration zu hunderten verteilt wurde; der zweite thematisierte nicht nur die Aufstände und Polizeigewalt in der Türkei, sondern nahm ebenfalls Bezug auf die Repression bei den Blockupy-Protesten in Frankfurt. Der letzte Beitrag beschäftigte sich allgemein mit Aufständen, zeigte anarchistische Handlungsmöglichkeiten auf und stellte klar, dass die Gewalt von der Herrschaft und nicht von den Aufständischen ausgeht. Wir entschieden uns bewusst gegen einen Lautsprecherwagen um, im Fall von Polizeiübergriffen, mobiler zu sein und um ein anderes kämpferischeres Klima zu erzeugen.

Erfreulich ist auch, dass nur eine türkische Nationalfahne in der Kundgebung auftauchte, sowie zwei Piratenparteifahnen, die allerdings nicht bei der Spontandemo mitgeführt wurden. Nach dem Verlesen der Redebeiträge entschlossen sich die Kundgebungsteilnehmer*innen spontan dazu ihre Solidarität in die Innenstadt Dortmunds zu befördern und es entwickelte sich eine lautstarke Demonstration von ungefähr 60-70 Menschen bis zur Reinoldikirche; unangemeldet und ohne jegliche Bullenbegleitung. Am Rande der Demonstration wurden Flyer verteilt und es wurden Parolen gerufen wie: “Isyan! Devrim! Anarsi! (Aufstand! Revolution! Anarchie!), “Amore! Anarchia! Autonomia!” (Liebe! Anarchie! Autonomie!), “Istanbul, das war Mord! Wiederstand an jedem Ort!”, “No Justice! No Peace! Fight the Police!” und “Taksim ist überall! Taksim ist hier!”. Die Demonstration durchbrach für kurze Zeit den kapitalistischen Normalzustand in der Dortmunder Innenstadt und einige Menschen zeigten durchaus positive Reaktionen auf die Demo. An der Reinoldikirche wurde die Sponti dann aufgelöst. Als die Genossen*innen sich bereits vom Platz entfernten, konnte Mensch aus der Ferne die erste Bullenkarre den Westenhellweg hochfahren sehen. In den darauf folgenden Mintuen fuhren zig Bullenwagen durch die Dortmunder Innenstadt und suchten nach verdächtigen Leuten. Nach unseren Erkenntnissen kam es lediglich zu ein paar Personalienfeststellungen im Park nördlich des Bahnhofs.

Wir betrachten die Kundgebung mit anschließender Demo als großen Erfolg! Speziell in Dortmund, wo versucht wird alles was im entferntesten als “linksradikal” angesehen wird, mit allen Mitteln klein zu halten haben wir es geschafft “unser Ding durchzuziehen”. Selbstbestimmt und ohne Bullen! Es ist lange her, dass eine anarchistische/linksradikale Demonstration/Kundgebung so unbehelligt ablaufen konnte. Wir hoffen ein Signal gesetzt zu haben, nicht nur solidarisch an die kämpfenden Menschen in der Türkei, sondern auch lokal in Dortmund. Wir sind uns bewusst, dass dieser Erfolg auch vom totalen Versagen der Polizei abhängig war. Trotz Allem sind wir zuversichtlich, dass es in Zukunft eine selbstbewusstere Demonstrationskultur geben kann und dass die anarchistische Bewegung im Ruhrgebiet weiter an Stärke gewinnen wird.

Für mehr selbstbestimmte Aktionen! Seit unberechenbar für die Repressionsorgane!
Freiheit für alle Gefangenen in der Türkei! Auf dass der Aufstand nicht endet!

Isyan! Devrim! Anarsi!
Aufstand! Revolution! Anarchie!
Anarchist*innen aus dem Ruhrgebiet

Die Redebeiträge, weitere Bilder und somit auch die Quelle findet ihr unter: https://linksunten.indymedia.org/