Interview zur Anarchie Kampagne von der GAIDAO Redaktion mit der AFRR

1. Stellt euch bitte kurz vor. (Wie kam es zur Initiative AFRR? Welche Gruppen gibt es? Wie hat sich die Initiative vom ersten Treffen auf der 2. Libertären Medienmesse bis heute entwickelt?)

Petra: Zur Initiative AFRR kam es, weil mehrere Leute unabhängig voneinander das Bedürfnis nach anarchistischer Organisation hatten. Durch einen Zufall kamen diese Leute dann zusammen. Durch einen Kontakt zu den Organisator*innen der 2. libertären Medienmesse wurde es möglich ein erstes öffentliches Treffen auf eben dieser Messe zu organisieren.

Heinz: Und dieses Treffen war riesig. Über 50 Menschen hatten sich versammelt, um über die Möglichkeit einer anarchistischen Föderation im Ruhrgebiet zu diskutieren. (lacht) Leider konnte dieser Schwung nicht ganz rüber gerettet werden. Aber es gibt jetzt immerhin eine Gruppe in Dortmund, eine in Bochum und eine weitere in Düsseldorf, die im weitesten Sinne aus diesem Treffen hervorgegangen sind. Mit der anarchichstischen Gruppe östliches Ruhrgebiet gibt es darüber hinaus auch schon eine Gruppe, die Mitglied der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) ist.

Petra: Grundsätzlich sind wir aber mit dem letzten Jahr sehr zufrieden. Den unser anarchistischer Organisierungsversuch ist sicherlich der größte und ernstzunehmendste Versuch seit langer Zeit im Rhein/Ruhr-Gebiet. Der aktuelle Stand sieht so aus, dass sich die lokal bildenden Gruppen in erster Linie auf sich und ihre Arbeit konzentrieren. Was für uns logisch ist, denn diese Initativen müssen sich ja auch erst einmal festigen. Wir wünschen uns aber alle für die Zukunft eine stärkere Vernetzung und dass die föderative Struktur der AFRR weiter aufgebaut wird.

2. Warum eigentlich eine Anarchie-Kampagne im Gebiet zwischen Rhein und (Auf)Ruhr?

Heinz: Nun, wir wissen, dass es im Ruhrgebiet viele Menschen gibt, die sich entweder als Anarchist*innen verstehen oder aber der anarchistischen Idee sehr positiv gegenüberstehen. Aber oft sehen sie in der anarchistischen Bewegung (noch) keine organisatorische Alternative. Deshalb sind sie oft in Gruppen aktiv, wo sie politisch eine Minderheit darstellen. Wir wollen unter anderem zeigen, dass die anarchistische Bewegung in unserer Gegend schon jetzt in der Lage ist, ambitionierte Projekte durchzuziehen.

Petra: Nicht zu vergessen all die anderen Menschen, die bei Anarchie nur all zu gerne an „Chaos und Gewalt“ denken. Ihnen wollen wir die Idee der Anarchie vor allem inhaltlich näher bringen. Denn wir wissen aus vielen Gesprächen, dass die meisten Menschen Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen für keine gute Idee halten. Die Frage ist halt, wie kommt man zu einer Gesellschaft, wo das realisiert ist? Das versuchen wir mit unserer Kampagne zu beantworten.

Bernd: Oder besser: wir versuchen mit dieser Kampagne mit den Menschen über genau diese Fragen ins Gespräch zu kommen. Antworten haben wir ja oft selbst nicht, sondern sind oft noch Suchende. Denn unser Weg ist ein Prozess und wir maßen uns nicht an, Antworten auf alle dringenden Fragen geben zu können, den wie könnten wir uns anmaßen, als relativ kleiner Zusammenhang Antworten für alle Menschen zu finden? Das würde unseren Ideen und Idealen widersprechen.

3. Und warum gerade jetzt ?

Bernd: Ich verstehe die Frage nicht ganz. Aber ich glaube, dass wir keinen besonderen Grund hatten, es jetzt zu machen. Ich meine, es gibt keinen anarchsistischen Jahrestag oder irgendein anderes Ereignis, dass wir als Anlass genommen haben.

Petra: Es war so, das einfach irgendjemand die Idee eingebracht hat, und es dann sofort Leute gab, die gesagt haben: “Ja, das machen wir”. Wir hielten und halten es einfach für einen guten Einfall, die Idee der Anarchie mal ganz gezielt und konzentriert in der Region zwischen Rhein und Auf-Ruhr vorzustellen.

4. Wen wollt ihr mit der Kampagne ansprechen?

Heinz: Es gibt eigentlich gleich drei Zielgruppen. Die erste sind wir selbst. Denn wie Bernd schon gesagt hat, sind wir selbst noch „Suchende“. D. h. auch wir lernen viel in und durch diese Kampagne. Eine zweite Zielgruppe sind all die Anarchist*innen, die noch in anderen, nicht-anarchistischen Gruppen aktiv sind. Ihnen wollen wir zeigen, dass die Bewegung, bei allen Schwächen, schon eine Alternative als Selbstorganisierung darstellt. Natürlich erwarten wir nicht, dass sie deshalb alle bei uns eintreten – aber wir hoffen auf mehr Kontakte, Kooperationen und ehrlich gesagt auch auf weitere, neue, explizit anarchistische Gruppen im Rhein/Ruhrgebiet. Die dritte Zielgruppe sind Menschen, die sich nicht in anarchistischen und linksradikalen Kreisen bewegen, welche wir versuchen wollen mit unseren Ideen zu begeistern. Da wollen wir auch ganz klar aufzeigen: Dieses System ist nicht alternativlos, wie es allzu oft dargestellt wird!

5. Und wie wird die Kampagne genau ablaufen? (Orte, Veranstaltungsformen, usw)

Petra: Am Anfang hatten wir sehr viele und sehr kreative Ideen was die Formen, aber auch was die Orte und so anging. Leider konnten wir vieles davon dieses Mal noch nicht umsetzen. Noch sind wir einfach zu wenige und manchmal fehlen uns auch einfach die nötigen Kontakte. So ist am Ende ein Programm übrig geblieben, das sich meist des klassischen Vortrags mit anschließender Diskussion bedient. Wir haben aber auch versucht, einige kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, genauso dürft ihr auf die eine oder andere Aktion gespannt sein.

6. Könnt ihr etwas mehr über das Veranstaltungsprogramm der Kampagne verraten?

Bernd: Das wird sehr bunt sein! Es gibt Veranstaltungen zu Gentrifizierung, Knast, Genderfragen, zum Anarcho-Syndikalismus, poetische Abende, etwas zur Situation in Griechenland und vieles, vieles mehr. So wie es aussieht werden wir nicht alle Veranstaltungen in unseren gedruckten Materialien stehen. Achtet deshalb bitte auf unseren blog zeit-fuer-plan-a.de, welche als Mobilisierungs Seite während der Kampagne dienen wird.

7. Und wie organisiert ihr das alles?

Heinz: Die Antwort ist einfach: Selbst. Wir machen das alles in unserer „Freizeit“, also neben Beruf, Studium, Schule oder Arbeitslosigkeit. Wir bekommen von niemandem Geld dafür und sind auch sonst von niemandem abhängig.

Petra: An dieser Stelle müssen wir aber dringens die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen erwähnen, die uns nicht nur mit einer Sonderausgabe der Gai Dao, sondern auch mit Flyern, und Plakaten und jeder Menge Arbeitskraft dabei unterstützt. Ohne diese direkte Form von Hilfe wäre die Kampage in dieser Form nicht möglich gewesen.

8. Kann man sich noch aktiv an der Planung/Durchführung beteiligen?

Heinz: Die Kampagne als solches steht nun schon. Aber wer weiß, vielleicht bleibt das ja keine Eintagsfliege und wir wiederholen das noch mal. Ihr könnt euch schon jetzt mit euren Ideen an uns wenden. Denn es muss ja nicht sein, dass wir die nächste Kampagne organsieren. Vielleicht macht ihr das ja dann? Und wir stellen nur den Kontakt zu euch her ;)

Bernd: Und für die ganz Ungeduldigen: Wenn ihr unbedingt noch in dieser Kampagne eine Veranstaltung unterbringen wollt, dann meldet euch ruhig bei uns. In das gedruckte Programm können wir sie dann zwar nicht mehr aufnehmen, aber wir aktualisieren gerne unsere Webseite.

9. Gibt es etwas, was man tun kann, um euch zu unterstützen?

Bernd: Ja klar: Es gibt immer etwas zu tun. Am besten nehmt ihr dazu Kontakt zu den an der Kampagne beteiligten Gruppen auf und fragt was ihr konkret tun könnt, oder bietet selbst konkrete Hilfe an. Und was ihr natürlich alle immer gerne tun könnt, ist Geldscheine in die Spendenboxen zu werfen, die bei jeder Veranstaltung da sein werden. Denn noch leben wir im Kapitalismus und wir haben nicht wenige Kosten.

10. Letzte Worte?

Petra: Es gäbe sicherlich noch sehr viel zu erzählen. Aber an dieser Stelle möchte ich nur noch auf das Organisierungstreffen am Ende der Kampagne hinweisen. Wir hoffen, im Rahmen der Kampagne Menschen oder gar schon bestehende Gruppen für die Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr (AFRR) begeistern zu können. Das Organisierungstreffen soll für verschiedene Aspekte offen sein. So könnten wir uns einerseits vorstellen, Hilfestellunge für sich gerade gründende Gruppen zu bieten, und andererseits würden wir uns auch darüber freuen, den Prozess der Föderierung in unserer Region weiter nach vorne zu bringen.