Artikel aus der [改道] Gai Dào – Februar 2014

Zeit für Plan A

Zeit für ein Resümee zu „Zeit für Plan A“

Es ist geschafft! Drei Monate und über 25 Veranstaltungen in 11 Städten im Rhein/Ruhr-Gebiet zum Thema „Anarchie“ sind vorbei und wir sind ziemlich geschafft. Doch wir denken gar nicht daran jetzt aufzuhören! Auch 2014 werden wir weiter daran arbeiten die Vernetzung und Organisierung von anarchistischen Zusammenhängen voranzubringen. An dieser Stelle jedoch erst einmal ein kleiner Bericht was so alles passiert ist, wie das alles gestemmt wurde und welche Auswirkungen die Kampagne hat.

Das machen wa!
Bereits im April 2013 machten wir uns innerhalb der Anarchistischen Föderation Rhein/Ruhr erste Gedanken zu einer Anarchiekampagne. Es dauerte nicht lange bis wir viele Ideen gesammelt hatten wie eine solche Kampagne aussehen sollte. Größtenteils wurden diese Ideen mit Begeisterung aufgenommen. Nicht nur innerhalb unserer Föderation, sondern auch von anderen anarchistischen Zusammenhängen, die wir angesprochen hatten. Teilweise gab es jedoch auch Zweifel ob wir zum damaligen Zeitpunkt überhaupt eine dreimonatige Kampagne auf die Beine stellen könnten. Dennoch fingen wir an zu arbeiten und trafen uns im Mai im größeren Kreis. Die Organisierung der Veranstaltungen wurde den einzelnen Gruppen überlassen und auch Gruppen außerhalb der AFRR machten mit. Bei der Mobilisierung wurden wir tatkräftig von der FdA unterstützt. Ohne mit der Wimper zu zucken wurde uns angeboten tausende Flyer, Plakate und sogar eine Sonderausgabe der GaiDao mit zu gestalten und zu drucken. Das nahmen wir natürlich dankend an, denn eine dreimonatige Kampagne in einer recht großen Region muss auch ordentlich beworben werden. So begannen wir einen Monat vor Start der Kampagne 10.000 Flyer und 2.000 Plakate unter die Leute zu bringen. Die 3.500 Ausgaben der GaiDao kamen leider erst während der Kampagne an, gingen dann aber auf Veranstaltungen und Demonstrationen weg wie warme Semmeln. Zur Mobilisierung im Internet wurde für die Kampagne eine tolle Internetseite erstellt (zeit-fuer-plan-a.de).

Auf gehts, ab gehts drei Monate wach!
Am 05.10. ging es dann endlich los und wir starteten mit der Eröffnungsparty im Autonomen Zentrum Mülheim. Diese war mit 400-500 Menschen schon gut besucht und es gab neben einem coolen Konzert bereits interessante Gespräche mit Besucher*innen, welche an unserem Infostand stöberten. Hier nun auf jede Veranstaltung einzugehen würde leider den Rahmen sprengen. Von Religionskritik und Nachrichten über den Strafvollzug (zur Situation von Thomas Meyer Falk) bis zu Anarchafeminismus und Sozialökologie wurden viele verschiedene Themenfelder behandelt. Bei den über 25 Veranstaltungen kamen im Schnitt circa 20 Personen. Manchmal ergaben sich Diskussionen, die teilweise länger dauerten als die eigentlichen Vorträge selbst. Teilweise gab es aber auch gar keine Diskussion oder nur sporadische Auseinandersetzungen mit dem gehörten. Hier müssen wir selbstkritisch feststellen, dass ein Grund darin liegen könnte, dass wir zum Großteil dem klassischen Vortragskonzept – eine*r redet der Rest hört zu – treu geblieben sind. In Zukunft wollen wir in diesem Punkt neue Konzepte entwickeln und vielseitiger werden. Als letzte Veranstaltung hatten wir ein Organisierungstreffen geplant, welches am 14.12. in Bochum stattfand.

Was nun?
Leider kamen zu dem besagten Treffen nur 20 Menschen und wir waren zunächst etwas enttäuscht, da wir uns mehr neue Gesichter erhofft hatten. Trotzdem verlief das Treffen für uns positiv. Es wurden regionale und lokale Arbeitsgruppen gebildet in denen das weitere Vorgehen besprochen wurde. Durch die Gruppenarbeit wurde erreicht, dass Interessierte sich in bereits bestehende Strukturen einbringen konnten und dass Personen und Gruppen zusammenfanden die sich, obwohl sie aus der selben Stadt kamen, noch nicht kannten. Außerdem wurde beschlossen ein weiteres offenes Organisierungstreffen zu machen. Am 31. Januar werden wir den Schwarzen Tresen der Anarchistischen Gruppe östliches Ruhrgebiet nutzen um uns weiter zu vernetzen.

Reflektion und Blick nach vorn

Die Kampagne war für uns eine echt spannende Erfahrung. Obwohl wir eine noch sehr junge Föderation sind haben wir es geschafft drei Monate mit Inhalt zu füllen. Allerdings konnten wir nicht alle unsere Ziele erreichen. Eigentlich wollten wir mit der Kampagne auch außerhalb der „Szene“ präsent sein. Geplant war es nämlich einen Teil der Veranstaltungen in Nicht- Szene-Orten abzuhalten, um auch bisher weitesgehend unpolitisierte Leute besser anzusprechen. Leider haben wir das nicht geschafft und vielleicht war auch das ein Grund warum das Organisierungstreffen nicht ganz so gut besucht war. Neben Vorträgen wollten wir auch Workshops anbieten und Aktionen durchführen. Wir wollten „Anarchie“ sozusagen „erlebbar“ machen. Dazu sollten auch kulturelle Veranstaltungen beitragen von denen es dann aber neben der Eröffnungsparty nur noch zwei Lesungen von Gedichten mit Hans Mar­chetto gab. Natürlich entstanden auch Spannungen innerhalb der Föderation und wir stießen an die Grenzen unserer Kapazitäten, was bei einer so langen Kampagne mit so viel Arbeit aber wahrscheinlich normal ist. Dennoch sind wir insgesamt zufrieden, da wir viele wichtige Erfahrungen gemacht haben und auch unserem Hauptziel, der Vernetzung und Organsierung von anarchistischen Zusammenhängen, ein wenig näher gekommen sind. Somit beschäftigen wir uns nun mit der Aufarbeitung der Kampagne und reflektieren sowohl die Vorbereitung als auch die Durchführung ebendieser. In diesem Prozess sind bereits einige Fragen aufgekommen; beispielsweise ob die Dauer der Kampagne nicht doch zu lang war. Außerdem wollen wir natürlich weiter machen, neue Aktionen ausdenken und die Idee des Anarchismus verbreiten.

An dieser Stelle noch einmal danke an alle, die uns unterstützt und unsere Veranstaltungen besucht haben. Solidarische Grüße an alle, die den Kampf für eine herrschaftsfreie Gesellschaft noch nicht aufgegeben haben, denn es ist Zeit für Plan A!