Redebeiträge der „Krieg dem Krieg“-Kundgebung am 01.08.2014

Hier die beiden Redebeiträge, welche bei der Kundgebung am 01.08.2014 an den Katharinentreppen in Dortmund im Rahmen der „Krieg dem Krieg“-Kampagne vorgelesen wurden.

1.Rede

Genau heute vor 100 Jahren, am 1. August 1914, trat das Deutsche Reich in den 1. Weltkrieg ein. Seit jeher gibt es Historiker und Politiker, die so tun als sei der Krieg an dem 40 Staaten weltweit beteiligt waren damals einfach ausgebrochen, wie eine Naturgewalt der man nichts entgegen zu setzen hatte. Diese Theorie ist verkürzt und nicht ernst zu nehmen.

Kriege brechen niemals einfach so aus. Kriege werden immer von Menschen geplant und durchgeführt.
-Kriege sind nur möglich wenn Staaten mit ihrem Militär Angriffe planen und organisieren.
-Kriege sind nur möglich wenn gigantische Rüstungsindustrien Tötungsinstrumente erfinden und herstellen.
-Kriege sind nur möglich wenn es Menschen gibt, die bereit sind für das Vaterland zu morden und zu sterben und gleichzeitig einen gewissen Rückhalt in der Bevölkerung haben.

Genau das war damals vor 100 Jahren der Fall.
-Machtverlangen und Angst um Machtverlust trieben Politiker und Monarchen dazu alle Weichen auf Krieg zu stellen.
-Kapitalismus und Profitgier brachten riesige Unternehmen wie BASF oder Renault dazu Giftgas und Panzer zu erfinden und zu proudzieren mit denen einige wenige enorme Summen Geld machten; die meisten aber nur den Tod fanden.
-Nationalismus und Militarismus verblendeten die Gedanken vieler junger Männer, die sich oft freiwillig zum Dienst an der Waffe meldeten und vom Rest der Bevölkerung begeisternd angetrieben wurden.

Doch es gab auch Widerstand. Viele Revolutionäre standen den Kriegsplänen von Anfang an feindlich gegenüber. Bereits vor dem Krieg gab es in vielen Ländern starke Arbeiterbewegungen, die immer mehr Druck auf die Regierungen ausüben konnten und Vorderungen durchsetzten. Durch den Verrat der SPD aber wurde der Antimilitarismus der Arbeiterbewegung gebrochen und der Kriegseintritt des Deutschen Reichs ermöglicht und es begann der erste industriell geführte Krieg mit unfassbaren Grauen und Millionen Toten.

Mit unserer Kampagne wollen wir 100 Jahre nach Kriegsbeginn nicht nur an die Schrecken erinnern, sondern auch an den Widerstand. Wir wollen nicht nur ein Mahnmal für die Vergangenheit errichten, sondern auch gegen heutigen Militarismus und andere Gründe für Kriege vorgehen. Gegen Krieg zu sein heißt auch gegen Militarismus zu sein, also gegen Hierarchien und Gehorsam. Wir müssen uns außerdem gegen die herrschenden Verhältnisse wehren, denn in einem System, das auf Konkurrenzdenken basiert, kann es keinen echten Frieden geben.

Deswegen gilt:
Heute wie vor 100 Jahren – Krieg dem Krieg! Für die soziale Revolution!

2.Rede

Im Krieg sterben Freiheit, Wahrheit und Menschlichkeit.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat es viele verschiedene Kriege gegeben, an vielen Orten dieser Welt. Doch es gibt Dinge, die sie bei all den Unterschieden gemeinsam haben
Sie werden von den Herrschenden geführt um Profite zu erzielen und im Krieg sterben Freiheit, Wahrheit und Menschlichkeit.

Heute vor hundert Jahren begann der erste Weltkrieg, der bis da hin schrecklichste Krieg der Geschichte, ein Krieg in dem es erstmals zum Einsatz von chemischen Waffen im höchsten Ausmaß kam, ein Krieg der für bis dahin niemals da gewesene taktische Grausamkeit bekannt war. Mit dem Attentat von Sarajevo nahm die Spirale der Anschuldigungen und Gewalt seinen Lauf. Im Mittelpunkt der Geschichtsbücher stehen meist die Blutbäder, zu denen die großen Offensiven im Artois in den Jahren 1915 und 1917 führten. Aber darauf will ich nicht eingehen, denn eines ist klar, jeder Krieg ist scheise, es sterben viele Menschen und es gibt zu viele Dinge, die nur zu selten ihre Erwähnung finden. Dieser Krieg hatte viele Namen und der treffendste ist „Grabenkrieg“. Kilometerweit erstreckten sich die Gräben über die Felder in deren Schlamm die Soldaten ihre Füße größtenteils an den Fußbrand verloren. In den Gräben türmten sich die Leichen der Gefallenen, da sie nicht begraben werden konnten und der widerwärtige Gestank des Krieges wehte über die Länder.
Viele Menschen sind diesem Krieg zum Opfer gefallen, millionen Zivilisten, Alte, Frauen und Kinder sind damals wie heute immer die ersten Opfer. Opfer, die einfach hingenommen und billigend in Kauf genommen werden, Opfer, die in Frieden und Freiheit leben wollen und einen solchen Tod nicht verdient haben. Gestorben für etwas, was sie nie gewollt haben, für die Interessen derer die nichts weiter im Sinn haben, als ihre Macht auszuweiten.
Im Krieg stirbt die Freiheit, denn niemand ist mehr frei um über sein Leben und dessen Verlauf zu entscheiden. Mensch ist gezwungen an die Front zu gehen, um für die Herrschenden zu leiden, zu kämpfen, zu bluten und zu sterben. Für ein Stück Land, von dem mensch am Ende nichts weiter hat als Ruinen der Vergangenheit und ein Trauma. Menschen müssen ihre Heimat, ihr zu Hause verlassen ohne zu wissen ob sie je wieder zurück können und ob sie dort wo sie hingehen bleiben können, ohne zu wissen ob sie die Flucht überleben, oft ohne zu wissen wohin sie überhaupt fliehen sollen.
Im Krieg stirbt die Wahrheit, denn die Herrschenden lügen, sie lügen ob der Gründe und sie lügen weiter um die Moral derer zu erhalten, die ihren Kopf für sie hinhalten. Sie lügen um ihren Profit zu sichern und zu maximieren, denn das ist es worum es ihnen geht. Die Pressefreiheit, die Rede- und Meinungsfreiheit, werden zugunsten der des Mordens verboten und geächtet!
Im Krieg stirbt die Menschlichkeit. Denn obschon aus Feinden, wenn auch für kurze Zeit, wie Weihnachten 1914, als deutsche, britische und französische Soldaten für eine Nacht aus ihren Gräben kamen um gemeinsam zu feiern, Freunde werden können. Freunde die sich beschenken, die gemeinsam trinken, feiern und sich endlich als Menschen wahrnehmen, Menschen mit Hoffnungen, Träumen und Familien, sind sie gezwungen all das zu vergessen um sich paar Tage später wieder abzuschlachten und Bomben auf Städte zu werfen.
Frauen und Kinder werden vergewaltigt ermordet als Schutzschild missbraucht und abgeschlachtet, zur Sicherung des Sieges und der psychischen Zermürbung des Gegners.
Der Erste Weltkrieg war aber auch der Vorläufer des schlimmsten Verbrechens der deutschen Geschichte, denn bereits dort lag die Wurzel des Zweiten Weltkriegs!
Und auch heute noch sehen wir die Auswirkungen und das Leid sowie den Tod der wichtigsten Güter, der Freiheit, der Wahrheit und der Menschlichkeit. Wir sehen Bilder aus Donbas, Donezk, Lugansk, wir sehen Bilder aus Israel und Gaza, wir sehen Bilder aus Ägypten, wir sehen sinkende Boote voller Flüchtlinge, abgeschossen im Meer. Brennende Städte sterbende Menschen und wetternde Politiker, die nie an der Front waren, die es sich leicht machen. Auch heute sterben unbeteiligte Menschen, Menschen die diesen Krieg nicht gewollt haben. Menschen mit denen es sich zu solidarisieren gilt!

Wir sagen Nein zum Krieg, wir sagen Nein, zu den Profitgeiern, die am Tod verdienen wollen!!!
Wir sagen Krieg dem Krieg!