AKK: Bericht zu den Protesten gegen die Klimakonferenz in Paris am Wochenende um den 12.12.15


1. Der Vortag

Im Kulturzentrum 104 fanden die verhandlungszeitüber Infoveranstaltungen, Workshops und die Koordinierung von einigen Protesten statt.
Am Freitag dem 11.12. vor dem Ende der Verhandlungen gab es besonders viele Informationsveranstaltungen zu der geplanten Red-Line-Blockade-Action am Samstag. Hier ist hervorzuheben, dass besonders im Bereich der Aufklärung über Repression in Paris sehr gute Vorbereitungen von den organisierenden Gruppen getroffen wurden, speziell bezogen auf dem Belagerungszustand in Paris und der damit einhergehenden Kriminalisierung jeglicher Demonstration. Es wurde über rechtliche Aspekte, sowie Prävention und Behandlung von verschiedener polizeilicher Repression informiert und die geplante Aktion der „roten Linie“ detailliert vorgestellt.
Dabei sollten die Demonstrierenden durch rote Kleidungsstücke, Schirme, Rosen und lange rote Bänder “rote Linien” durch die Stadt bzw. die Kundgebungsorte ziehen, um zu verdeutlichen, dass das es eine rote Linie bezüglich des Klimas und der Umwelt gibt, die nicht überschritten werden darf. Das Ergebnis der Verhandlungen hat deutlich gezeigt, dass die Politiker*innen diese Grenze nicht respektieren und ihre wirtschaftlichen Interessen Priorität haben´vor dem Schutz unseres Planeten.
Die Information vor Ort hat uns an eine Schlafplatzbörse verwiesen, welche uns Übernachtungsmöglichkeiten bei Anarchist*innen organisieren konnten.

2. Red-line-action

Die geplante Blockade wurde im Laufe des Vortags unerwarteter Weiße doch legalisiert, so fanden wir gegen Mittag des 12. Dezembers nahe des Arc de Triumphs eine Versammlung überwiegend rotgekleideter, motivierter Klimaaktivist*innen vor. Die Blockade ist im Einverständnis mit der Polizei erfolgt und der Verkehr wurde für die Dauer der Demonstration umgeleitet. Es war auffällig viel Presse vor Ort, die auch jede Inszenierung der anwesenden NGOs aufnahmen. Die Demonstration schien generationen- und nationenübergreifend. Neben Verkleidungen wurde auch viel Musik genutzt, um der Meinung Ausdruck zu verleihen. Explizit anarchistische Inhalte waren nicht zu finden, was auch daran liegen könnte, dass sich 350.org von den Protesten am 29.11. distanzierte und deklarierte, dass die Aktivist*innen, die daran teilnahmen, nicht der Klimabewegung zuzurechnen seien. An der Stelle möchten wir betonen, dass auch wenn wir unterschiedliche Einstellungen gegenüber Gewalt als Teil politischer Aktionen haben, uns gegen Entsolidarisierungen stellen.
Während der Demonstration wurde durch die stumme Weitergabe von Zetteln die Information einer weiteren, nicht genehmigten Demonstration um 17. Uhr in einem anderen Stadtteil von Paris, verbreitet.

3. Protest am Eifelturm

Der Weg vom Arc de Triumph zur Aktion von Alternatiba am Eiffelturm entwickelte sich zu einer spontanen Demonstration, welche den Verkehr teilweise blockierte. Durch eine koordinierte Aktion wurde die Demonstration auf der Brücke vorm Pariser Wahrzeichen zum Stehen gebracht und dann eine Sitzblockade eingeleitet. Informationen während der Blockade wurden mithilfe der Human–Microphone-Methode weitergegeben. Es wurde gemeinsam die Entscheidung getroffen, der Forderung der Polizei, die Brücke zu räumen, nicht nachzukommen. Nach etwa einer Stunde verlagerte sich die Menschenmenge unter den Eifelturm, wo der politischen Meinung vielfältig weiter Ausdruck verliehen wurde durch u.a. viele Blechbläser, die sich geplant wie auch spontan zusammen fanden, um politische Lieder zu spielen.

4. Die Demonstration durch Belleville

Um 17 Uhr wurde sich an der Haltestelle Belleville versammelt. Unterstützt von der internationalen Sambagruppe (Rhythms of the Resistance) bildete sich kurz darauf eine unangemeldete, überwiegend in schwarz gehaltene Demonstration. Im Laufe der nächsten Stunde zogen die etwa 300 Menschen durch das Viertel, riefen Parolen in die Nacht und schrieben sie an die Fenster. Dabei erhielten sie Unterstützung durch die Anwohner*innen. Konfrontationen mit der Polizei wurden durch Joggen und das Errichten von Materialblockaden vermieden. Letztendlich wurde die Demonstration bei dem Versuch, einen Kanal zu überqueren, gespalten und ein Teil (mit ca. 80-100 Menschen) in einem Kessel festgehalten. Dabei wurden besonders viele Zivi-Cops, welche sich zusätzlich mit Helmen, Schlagstöcken und Pfefferspray ausgestattet hatten, eingesetzt. Jedoch wurden diese schnell durch die Militärpolizei ergänzt. Der unangenehme, massive Einsatz von Pfefferspray hinderte die Teilnehmenden an der Flucht. Nach 20 Minuten der Ungewissheit konnte durch Verhandlungen mit der Polizei erreicht werden, dass die Demonstrant*innen den Kessel in Zehnergruppen unidentifiziert verlassen konnten. Die Forderung auf frühzeitige Entlassung eines von Kopf bis Fuß durchnässten Genossen, der durch die Geschehnisse zuvor ins Wasser gedrängt worden war, wurde abgewiesen.