1. Mai 2016 in NRW

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  • Revolutionäre Walpurgisnachtdemo (30.04.) – Bochum Hbf – Start: 19:30 Uhr – Zugtreffpunkt aus Dortmund: 18:50 Uhr Hbf Nordausgang vor Cinestar – Mehr Infos: antifabochum.noblogs.org
  • Antikapitalistischer Block auf der DGB Demo in Bochum (01.05.) – vor dem Bergbaumuseum – Start: 10:15 Uhr – Zugtreffpunkt aus Dortmund: 9.30 Nordausgang Hbf vor Cinestar – Mehr Infos: agbo.blogsport.eu
  • Widerstand gegen den NPD Aufmarsch in Bochum (01.05.) – nach dem antikapitalistischen Block – Mehr Infos: antifabochum.noblogs.org
  • Autonome 1. Mai Demo in Wuppertal (30 Jahre!) – 14:00 Uhr Platz der Republik – Mehr Infos: autonomer1mai.noblogs.org
  • Libertäre 1. Mai Demo in Bonn – 14:00 Uhr am Kaiserplatz, 16:00 libertäres Straßenfest am Frankenbad – Mehr Infos: linksunten.indymedia.org
  • Duisburg: 11 Uhr: FAU-Block / Schwarz-Roter-Block auf der 1. Mai Demo in Duisburg. Start: 11 Uhr, Amtsgerichtsvorplatz Hamborn (Haltestelle: Hamborn Rathaus). Ab 12 Uhr: FAU-Stand am Eingang zum 1. Mai Fest im Landschaftspark. – Mehr Infos: duisburg.fau.org

Übersicht anderer Veranstaltungen in Deutschland: fda-ifa.org


Auch dieses Jahr gibt es viele anarchistische, autonome und linksradikale Mobilisierungen rund um den 1. Mai. Es wird keine zentrale, anarchistische Demonstration der Anarchistischen Föderation Rhein/Ruhr geben, allerdings sind unsere föderierten Gruppen und Mitglieder ganz unterschiedlichen rund um den 1. Mai aktiv. Der Fokus liegt dabei dieses Jahr auf Bochum, wo es mit der revolutionären Walpurgisnachtdemo, dem antikapitalistischen Block auf der DGB Demo sowie dem Widerstand gegen den NPD Aufmarsch gleich drei Termine um den 1. Mai gibt, die wir mitgestalten werden. Besonders ans Herz legen wollen wir euch dabei den antikapitalistischen Block auf der DGB Demo, welcher von der neuen anarchistischen Gruppe aus Bochum ausgerichtet wird. Als erste öffentlichkeitswirksame Aktion der Gruppe setzt diese starke Akzente, die wir als Föderation nur unterstützen können. Der erste Mai gehört allen Arbeiter*Innen und wir überlassen diesen nicht den reaktionären DGB Gewerkschaften. Nach der morgentlichen Demo gilt es, den Nazis in Bochum den Tag zu versauen, die autonome 1. Mai Demo in Wuppertal (seit 30 Jahren unangemeldet!) oder die libertäre 1. Mai Demo in Bonn zu unterstützen.

Am 1. Mai sowie den restlichen 364 Tage im Jahr – an der Befreiung arbeiten – die anarchistische Bewegung vorantreiben!

Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr im April 2016

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Doch was hat es überhaubt mit diesem 1. Mai auf sich?

Von vielen vergessen liegen die Ursprünge des 1. Mai in der US-Amerikanischen Arbeiterbewegung der 1880er Jahre, die entscheidend von anarchistischen Idealen und Forderungen geprägt war. Als Höhepunkt einer Streikwelle sollte am 01.05.1886 mit einem Generalstreik der Forderung nach dem 8-Stunden Tag Nachdruck verliehen werden. Allein in Chicago folgten 40.000 Arbeiter*innen diesem Aufruf und auch in den folgenden Tagen gingen Tausende auf die Straße, trotzten Streikbrecher*Innen, privaten Söldner*innentruppen der Unternehmer*innen und der Polizei, die am 03.05. vier Arbeiter erschoss. Eine erneute Versammlung am 04.05. auf dem Haymarket versuchte die Polizei (auch mit Schusswaffen) gewaltsam aufzulösen. In diesem Gemenge explodierte eine Bombe. Die Polizei fing an wild zu schießen und mindestens vier Arbeiter*innen und sieben Polizisten wurden dabei getötet. Wer die Bombe geworfen hatte ist bis heute unklar. Allerdings diente dieser Vorfall als Vorwand hunderte von Arbeiter*innen zu verhaften. Darunter waren auch einige bekannte Anarchist*innen. Trotz gegenteiliger Beweise wurden sieben bekannte Anarchisten in einem Schauprozess zum Tode verurteilt. Bei vieren wurde dieses Urteil (bei einem Selbstmord vorher) vollstreckt. Die anderen Angeklagten wurden zu Haftstrafen verurteilt und nach 7 Jahren, ebenso wie die Hingerichteten vom neuen Gouverneur für unschuldig und zu „Opfern eines Justizmordes“ erklärt.

Während der 2. Internationale (bei der es zum Ausschluss der Anarchist*innen kam) wurde 1891 der 1. Mai als jährlicher “Arbeiterkampftag” ausgerufen und seit 1904, insbesondere von den großen sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften für Demonstrationen genutzt. Während der Zeit der Nazi-Diktatur wurde der Tag propagandistisch als “Tag der Nationalen Arbeit” vom Staat als Feiertag organisiert. Auch in der DDR gehörten die Mai-Paraden zur Staatsräson und in der BRD blieb der Feiertag mit leicht veränderten Namen als “Tag der Arbeit” bestehen. Passend, da die Lohnarbeit auch hier als wichtigstes, Lebensinhalt spendendes Element gesehen werden sollte.

Seit dem Ende des Ost/West-Konflikts erleben wir einen sich immer weiter verschärfenden Kapitalismus. Wer arm ist oder keiner Lohnarbeit nachgeht, gilt als faul und wird als Belastung der Gesamtgesellschaft gesehen. Weit verbreitet ist die Ansicht, Armut sei nur die Folge von Eigenverschuldung. Es gibt immer weniger Jobs und die, die es noch gibt, sind oft entfremdet und sinnentleert.

Heute finden die Demos und Kundgebungen zum 1. Mai größtenteils unter der Schirmherrschaft des DGB statt. Dem DGB geht es im Grundsatz nicht darum, eine grundlegende Gesellschaftskritik zu formulieren und schon gar nicht umzusetzen. Er agiert bewusst und bereitwillig im Rahmen einer kapitalistischen Ordnung.
Unter dem DGB organisierte Einzelgewerkschaften gehen zwar mit den unterschiedlichsten Forderungen in Tarifrunden, es werden auch “Verbesserungen erzielt” allerdings sind diese, auf Grund des mehrheitlich kapitalistischen Diskurses so minimal und verbessern somit die Arbeitssituation der Menschen eben nicht grundlegend. Obwohl sich die weichgespülten, reformistischen und am Ende staatstreuen Gewerkschaften bei den 1. Mai Kundgebungen kämpferisch geben, werden in den Betrieben keine wirklichen Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen erkämpft. An dem Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital wird in der Praxis nicht gerüttelt. Der DGB ist eine Stellvertreter*innengewerkschaft. Das bedeutet, dass hauptamtliche Gewerkschaftsfunktionär*innen für die Lohnabhängigbeschäftigen, mit den Arbeitgeber*innen um entsprechende Arbeitsbedingungen verhandeln
und nicht die Belegschaft oder die Arbeiter*innen eines Betriebes selbst. Sich aktiv in Tarifverhandlungen mit einzubringen bedeutet zu allererst, dass man sich als ehrenamtliche Gewerkschaftsfunktionär*in durch diverse Machtstrukturen und Ebenen innerhalb der Gewerkschaft durchboxen muss, bevor man anfängt wirklich etwas für seine Arbeitsbedingungen tun zu können. Es ist daher kaum möglich, sich in Arbeitskämpfe einzubringen außer dann mitzulatschen, wenn die jeweilige Gewerkschaft trommelt. Wir wollen selbstbewusste Kämpfe aller Arbeiter*Innen an der Basis, anstatt losgelöste Kämpfe von Stellvertreter*innen in Hinterzimmern und Büro im Klüngel mit Arbeitgeber*innen. Das ist mit dem DGB als solches nicht möglich.

Wir wollen an diesem Tag keine Forderungen an Parteien, Gewerkschaften, Konzerne/Firmen oder andere Autoritäten stellen, sondern wollen alle ermutigen, selbst zu handeln! Der 1. Mai ist kein Tag für Forderungen! Es ist ein Tag für selbstbestimmtes und selbstbewusstes Handeln. Der 1. Mai ist ein Kampftag gegen den Arbeitswahn und gegen den Kapitalismus. Es geht um die Befreiung aller Menschen aus der Abhängigkeit der Lohnsklaverei. An diesem Tag geht es darum, unsere Vorstellung einer herrschaftsfreien Gesellschaft zu propagieren und unmissverständlich und kompromisslos zu zeigen, dass es viele Menschen gibt, die sich nicht verblenden und befrieden lassen.
Wir wollen den Prozess zu einer befreiten Gesellschaft vorantreiben, indem wir unsere Ideen verbreiten, uns weiterbilden, in eigenen Strukturen versuchen die verheerendsten Auswirkungen von Staat und Kapital abzufedern, uns mit politischen Aktionen in Debatten einschalten und gegen das einstehen, was uns nicht passt. Wir wollen gemeinsam lernen durch freiwillige Vereinbarungen miteinander zu leben.

(Auszug aus unserem Aufruf vom letzten Jahr zur Anarchistischen 1. Mai Demonstration in Dortmund, weiterlesen: 1maidortmund.noblogs.org/aufruf/)