Gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien – Demo am Donnerstag!

[Poster: No god, no state, no caliphate – armed struggle against all forces of reaction]

Wie auch in den vergangenen Tagen wird es diesen Donnerstag 25.01. ab 18.00 Uhr vom Dortmund Hbf wieder eine kurdische Demo bis zur Reinoldikirche geben. Auch wir werden wieder vor Ort unterstützen. Es folgt ein aktueller Text von uns zu den Ereignissen in Afrin und wie wir diese Einordnen. Hier als Flyer-Version zum drucken, verteilen und weiter unten als vereinfachte Version für z.B. Menschen die Probleme mit der deutschen Sprache haben.

Gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien

Wir sind heute auf der Straße, um gegen den Angriff der türkischen Armee auf den kurdischen Kanton Afrin in Nordsyrien zu protestieren. Afrin ist Teil einer kurdischen Föderation, die sich inmitten der Bürgerkriegswirren im Norden Syriens seit 2013 etablieren konnte. Es leben dort ca. 800.000 Menschen, von denen viele aus anderen Teilen des Landes geflüchtet sind und die jetzt erneut durch Krieg bedroht sind.

Der türkischen Regierung ist es ein Dorn im Auge, dass sich an ihrer Grenze ein kurdisches Selbstverwaltungsgebiet etabliert hat. Sie fürchtet, dies könnte den Autonomiebestrebungen der Kurd*innen innerhalb des eigenen Landes Auftrieb geben, die der türkische Staat seit Jahrzehnten blutig unterdrückt. Darüber hinaus braucht Präsident Erdogan die nationalistische Mobilisierung gegen einen äußeren Feind, um nach Innen Kritik an seiner brüchig gewordenen Herrschaft zu ersticken. Er hofft darauf, dass religiöse und säkulare Türk*innen allen Streit vergessen und treu zu „ihrer“ Regierung stehen, sobald es gegen die Kurd*innen geht. Und tatsächlich haben bereits alle relevanten türkischen Oppositionsparteien bis auf die pro-kurdische HDP ihre Unterstützung der Militäroffensive zum Ausdruck gebracht.

Unser Protest richtet sich auch gegen die deutsche Bundesregierung, die das Regime Erdogan unterstützt und gewähren lässt. Sie tut dies, weil sie mit der Türkei einen schmutzigen „Flüchtlingsdeal“ abgeschlossen hat. Dieser soll Menschen von Europa fernhalten, welche dem Elend und den Kriegen entkommen wollen, die der Kapitalismus über ihre Länder brachte. In diesem Zusammenhang hat der Bundesinnenminister dem türkischen Staat vor kurzem den Gefallen getan, die Fahnen der YPG zu verbieten und damit der türkischen Lesart zu folgen, die diese syrisch-kurdische Miliz als „Terrororganisation“ einstuft. In Wirklichkeit war es jedoch eben diese Miliz, die am entschlossensten und erfolgreichsten die Terrorbanden des „Islamischen Staates“ bekämpft hat.

Im Rahmen der Kampagne gegen den IS haben die syrischen Kurd*innen sowohl mit Russland als auch mit den USA kooperiert und von beiden Staaten militärische Unterstützung erhalten. Jetzt, nachdem der IS fast besiegt ist, wurden sie von beiden Mächten im Stich gelassen, die den aktuellen Angriff der Türkei tolerieren. Dies zeigt einmal mehr, dass sich um Befreiung kämpfende Menschen nicht auf die Unterstützung von Staaten oder anderen hierarchischen Mächten verlassen dürfen. Diese mögen ihnen zwar zeitweise helfen, sofern es ihren Interessen nützt; sobald dies nicht mehr der Fall ist, sind solche Mächte jederzeit bereit, ihre bisherigen Verbündeten fallen zu lassen.

Wirkliche Befreiung kann nur durch ein Bündnis von Unterdrückten aller Länder erreicht werden, die sich gegen jede Form der Herrschaft und Ausbeutung zur Wehr setzen und damit per se den Interessen der unterdrückenden Mächte widersprechen. Nur eine solche Bewegung könnte eine Welt schaffen, in der alle ohne Angst verschieden sein können.

Anarchistische Gruppe Dortmund, im Januar 2018

Text in einfacher Sprache

Gegen den Angriff der türkischen Regierung auf Afrin

Die türkische Armee hat ein kurdisches Gebiet angegriffen. Das Gebiet heißt Afrin. Wir sind auf der Straße, weil wir den Angriff falsch finden. Seit dem Jahr 2013 sind die Menschen nach Afrin gezogen, weil in ihrer Heimat Krieg herrschte. Jetzt sind sie wieder vom Krieg bedroht. Die türkische Regierung möchte nicht, dass sich die Kurden und Kurdinnen in Afrin ein eigenes Land aufbauen. In der Türkei dürfen Kurden und Kurdinnen nämlich nicht leben wie sie wollen. Deshalb sollen die Kurden und Kurdinnen in Afrin das auch nicht. Wir finden den Angriff der türkischen Regierung auf Afrin falsch! Wir finden auch nicht richtig, dass die deutsche Regierung nichts gegen den Angriff tut! Die deutsche Regierung verkauft Waffen und Panzer an die türkische Regierung. Man kann sich auf die Regierung nicht verlassen. Wir Menschen müssen zusammenhalten. Wir sollten uns gegenseitig unterstützen. Dafür sind wir heute hier.

Anarchistische Gruppe Dortmund, im Januar 2018


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