Archiv der Kategorie 'AGÖR'

Witten, Fr. 26. April: Schwarzer Tresen

Gustav Landauer

In diesen Wochen finden viele Veranstaltungen in Erinnerung an die Revolution in Deutschland vor hundert Jahren statt. Nach einer Veranstaltung des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark zum Thema Revolution 1919 in Witten und einer Publikation von Ralph Klein zum gleichen Thema wird an Gustav Landauer erinnert, der führend an der Münchner Räterepublik beteiligt war und nach seiner Verhaftung am 2. Mai 1919 von rechten Freikorpssoldaten ermordet wurde. Deshalb wurde Christoph Knüppel eingeladen, der sich seit fast 40 Jahren immer wieder mit Gustav Landauer befasst und zuletzt seine Briefe und Tagebücher von 1884 bis 1900 mit einem ausführlichen Kommentar herausgegeben hat. Am Freitag, 26. April 2019, ab 19:00 Uhr im Trotz Allem, Wideystraße 44, erzählt Christoph Knüppel,

Wie Gustav Landauer zum Anarchisten wurde

Eine Lesung aus seinen frühen Briefen, Tagebüchern und Schriften

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Witten, Fr. 30. November: Schwarzer Tresen

Vortrag von Werner Portmann über Pierre-Joseph Proudhon

Gustave Courbet (1819-1877) Pierre-Joseph Proudhon en zijn kinderen in 1853 - Petit Palais Parijs 23-8-2017 16-48-24

Im deutschsprachigen Raum ist er kaum mehr bekannt. Nur sein von ihm populär gemachtes Schlagwort „Eigentum ist Diebstahl“ taucht da und dort noch in einem Artikel oder Flugblatt auf, ohne dass die, die ihn zitieren wissen wer denn diesen Satz zum Schlagwort formte. Der französische Soziologe und Philosoph Pierre-Joseph Proudhon (1809–1865) war es, der sich mit diesem Satz auf einen Schlag in Europa als radikaler Umstürzler bekannt machte. Er war es auch, der als einer der ersten das Wort Anarchie vom negativen zum positiven Begriff wendete und zum Diskussionsthema aller sozialen Bewegungen der Zeit machte. Für viele wurde er dadurch zum „Vater der modernen philosophisch-politischen Idee des Anarchismus“. Für andere ist er ein „kleinbürgerlicher Vordenker“ des Faschismus, dessen antisemtischen und frauenfeindlichen Ansichten bis heute verheerende Wirkung zeige.

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Dortmund: Vortrag und Buchvorstellung von Werner Portmann

Sozialdemokratischer Anarcho-Syndikalismus, anarchosyndikalistische Sozialdemokratie?

Die Geschichte einer kurzen, verwunderlichen Allianz
[Plakat: Schwarzer Tresen: Vortrag und Buchvorstellung von Werner Portmann]

In der Deutschschweiz gab es, im Unterschied zur Westschweiz, nie eine größere revolutionär-syndikalistische oder sogar anarchistische Gewerkschaft. Trotz allem spielte der revolutionäre Syndikalismus/Anarchismus in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg bis 1928 in einigen sozialdemokratischen Gewerkschaften eine zentrale Rolle.

Diese „anarchistische Phase“ der Gewerkschaften wurde nun erstmals, anlässlich eines Jubiläums einer kleinen Zürcher Gewerkschaftssektion des öffentlichen Dienstes, aufgearbeitet und in einem Buch thematisiert. Der Autor stellt das Buch vor und beleuchtet diese Phase der Deutschschweizer ArbeiterInnenbewegung, ihr Ende und die Nachwirkungen.

Sa. 1. Dezember 2018, 19:00 Uhr
Dortmund, Langer August, Café im Vorderhaus

Witten, Fr. 26. Oktober: Schwarzer Tresen: Martin Baxmeyer: Amparo Poch y Gascón – Biographie und Erzählungen aus der spanischen Revolution

Buchvorstellung und Lesung mit Lou Marin (Verlag Graswurzelrevolution)

Amparo Poch y Gascon

Amparo Poch y Gascón (1902–1968) war eine der drei Gründerinnen der anarchistischen Frauenorganisation Mujeres Libres während der spanischen Revolution. Sie kämpfte für die freie Liebe ebenso wie für gleichen Zugang von Frauen zum Arbeitsprozess. Als Ärztin leitete sie ein Feldlazarett vor Madrid und als Mitarbeiterin von Federica Montseny im Gesundheitsministerium organisierte sie die massenhafte Evakuierung von Kindern ins Ausland. Die anarchistische Literatur vollzog in der spanischen Revolution einen „nationalistischen Schwenk“, den Amparo Poch nicht mitmachte. Sie schrieb weiterhin in ihrem herrschaftskritischen und lebensbejahenden Stil. Davon zeugen ihre ironisch-satirischen Erzählungen, die in der Zeitschrift Mujeres Libres erschienen, im Anhang dieser Biographie erstmals in deutscher Übersetzung vorliegen.

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Fr. 26. Oktober 2018, 19:00 Uhr, Witten, Trotz Allem, Wideystraße 44

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Witten: Schwarzer Tresen: Soli-Dinner for one

Romantic dinner for one (Unsplash)

Politischer Aktivismus kann es mit sich bringen, dass mensch sich unfreiwillig mit der Polizei und dem Recht auseinandersetzen muss. Da nicht jede eine juristische Ausbildung hinter sich hat und noch andere Dinge im Leben zu tun hat, ist die rechtanwältiche Hilfe erforderlich. Dass die anfallenden Kosten, sei es die der_des Rechtsanwält*in wie auch bei Verurteilung die Gerichts- und Strafkosten nicht die angeklagte Person alleine stemmen muss – wir sind ja eher so Tagelöhner und schlecht verdienende Bohéme – wird nun das erste Soli-Dinner for one organisiert. Es wird ein ein gehobeneres Gericht gekocht, welches ihr dann in solidarischer Atmosphäre genießen könnt. Um eine ungefähre Ahnung zu bekommen, meldet euch bitte über die üblichen Kommunikationsmöglichkeiten oder eben persönlich im Trotz Allem an.

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Fr. 24. August 2018, 18:30 Uhr

Witten: Schwarzer Tresen: „…dann machma halt a Revolution!“– Gedenken und Gedanken zur Münchner Räterepublik von 1918/19

Vortrag von Ralf G. Landmesser

AlborozoProclamaciónDeLaRepúblicaBaviera

Vor bald 100 Jahren, am 2. Mai 1919, wurde der letzte Widerstand der Münchner Revolutionär*innen gebrochen, die die erste Räterepublik Deutschlands errichtet hatten – ausgerechnet in Bayern. „Freistaat“, diese Bezeichnung stammt aus der Rätezeit. Nach der Ermordung des USPD-Ministerpräsidenten Kurt Eisner durch einen jungen Offizier, einem Mitglied der faschistischen Thule-Gesellschaft, ergriffen Arbeiter- und Soldatenräte am 7. April 1919 die Macht. Führend dabei die Schriftsteller Erich Mühsam, Gustav Landauer, Ernst Toller, Ernst Niekisch, Ret Marut (d. i. B. Traven) und weitere Literaten. Sogar Rainer Maria Rilke sympathisierte. Von der geflüchteten Minderheitsregierung der Mehrheits-SPD wurden skrupellos rechtsradikale Freikorps und kriegsmäßig bewaffnete Reichstruppen gegen die Räterepublik in Marsch gesetzt, die ein barbarisches Massaker in München anrichteten. Vorne dabei auch die ersten Zellen des späteren NS-Staates, der München zu seiner „Hauptstadt der Bewegung“ machte. Das neue Münchner NS-Dokumentationszentrum an Stelle des Braunen Hauses, stellt in seiner Ausstellung diesen vernachlässigten und meist verschwiegenen Aspekt richtigerweise deutlich heraus. Die Nazi-Pest begann schon 1919 ihre ersten Opfer zu packen und mörderischen Judenhass zu verbreiten. Nach Eisner traf es am 2. Mai Gustav Landauer. Erich Mühsam, vorher gekidnappt, überlebte vorerst…

Fr. 28. September 2018, 19:00 Uhr

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Witten: Schwarzer Tresen: Die Zeitschrift Tsveyfl und die Anarchismen

[Logo: Tsveyfl]

In postanarchistischen Zeiten ist es zur Mode geworden, Anarchismus in Paradoxien denken zu wollen und jeden objektiven Anspruch auf allgemeingültige Wahrheiten von sich zu weisen. Die subjektive Wahrheit einer jeden wird damit gleichzeitig verabsolutiert und relativiert. Aber es ist eigentlich kein neues Phänomen, welches sich durch diskurstheoretische Einflüsse breit machen würde. Die Geschichte des Anarchismus ist tatsächlich von Paradoxien geprägt (was sich aber nicht auf das Denken übertragen lässt), denn der Anarchismus leidet seit jeher an einer chronischen Unbestimmtheit. Es verhält sich daher so, dass teils populäre anarchistische Denkerinnern ihn auf eine rein subjektive Handlungsweise reduzieren, in der Mehrheit wird er aber zumindest als subjektive Haltung gefasst – nicht als System zur Analyse der Verhältnisse, was jedoch notwendig wäre um aus ihm tatsächlich utopische Aussichten zu schöpfen. Der Anarchosyndikalismus kommt durch seine starke Bezugnahme auf ökonomische, die Welt strukturierende Faktoren, dem noch am nächsten.

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